J A H A R A
die sanfte Kraft des Wassers

Auf die Beziehung kommt es an

Von Kerstin Rauch

Wohlbefinden für Menschen mit schwerer Behinderung

Lebenshilfe

Ich arbeite seit acht Jahren in einem Förderbereich. Während meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und durch die Weiterbildungen der Lebenshilfe habe ich zahlreiche Methoden kennen gelernt, wie man Menschen mit schwerer Behinderung helfen kann. Beim Ausprobieren dieser Methoden hat sich jedes Mal aufs Neue meine Erfahrung bestätigt: Weniger das, was ich mache, ist wichtig, sondern wie ich die Beziehung zu dem Menschen, dem ich helfen will, gestalte. Die Anwendung einer Methode oder Therapie muss den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen zwei Menschen beinhalten.

Ich arbeite seit acht Jahren in einem Förderbereich. Während meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und durch die Weiterbildungen der Lebenshilfe habe ich zahlreiche Methoden kennen gelernt, wie man Menschen mit schwerer Behinderung helfen kann.

Beim Ausprobieren dieser Methoden hat sich jedes Mal aufs Neue meine Erfahrung bestätigt: Weniger das, was ich mache, ist wichtig, sondern wie ich die Beziehung zu dem Menschen, dem ich helfen will, gestalte. Die Anwendung einer Methode oder Therapie muss den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen zwei Menschen beinhalten.

Entspannte Atmosphäre

Bei der Arbeit mit schwerst behinderten Menschen sind das oft Methoden, die keiner Sprache bedürfen und bei denen ich über körperliche Signale (nonverbal) kommuniziere. So ist beispielsweise bei der Klangmassage die Klangschale das Mittel, mit deren obertonreichem Klang es mir gelingt, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen: Eine Atmosphäre, in der ich selbst offen bin und in der mein Gegenüber bereit ist, mir zu vertrauen und sich auf mein Angebot einzulassen. Ist mir das gelungen, kann später schon das einmalige Anschlagen der Klangschale entspannend wirken.

Das Beherrschen verschiedener Massagetechniken bietet mir die Möglichkeit, vor allem Menschen mit spastischen Bewegungsstörungen zu helfen. Aber die dadurch angestrebte Entspannung der Muskulatur erreiche ich nur, wenn sich die Berührung für mein Gegenüber sicher anfühlt. Deshalb ist noch wichtiger als jede Technik wie ich auf den anderen zugehe.

Habe ich den richtigen Raum - ist gut geheizt, ist es gemütlich und störungsfrei? Bin ich selbst entspannt und ruhig oder eher gestresst und unter Zeitdruck? Gebe ich dem schwer behinderten Menschen ausreichend Zeit, sich auf meine Berührung einzulassen? Fließt seine Atmung zu meiner Hand hin? Bin ich auch bereit, ein Nein zu akzeptieren?

Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, gelingt es mir zum Beispiel durch eine Dehnmassage die einseitige Körperhaltung beim Sitzen im Rollstuhl auszugleichen.

Im letzten Jahr erlernte ich die Jahara-Methode, eine sehr sanfte Art der Entspannung im körperwarmen Wasser, die sicheres Gehaltensein mit Massage und sanften Dehnungen verbindet. Das wirkt sich sehr positiv auf Körperhaltung, Beweglichkeit, Atmung und emotionale Stabilität von schwer behinderten Menschen aus.

Halt ohne einzuengen

Damit gewann ich nicht nur eine weitere Möglichkeit, zum Wohlbefinden behinderter Menschen beizutragen, sondern auch einen neuen Ansatz für meine tägliche Arbeit: Ich stelle mich besser auf den Menschen ein, der mir gegenüber steht, bin neugierig auf ihn. Ich probiere, was möglich ist. Was nicht funktioniert, verwerfe ich. Was sich gut anfühlt, baue ich aus. Die wenigen Momente, in denen wir uns im Gleichgewicht befinden und ich völlig eins mit mir und meiner Umwelt bin, genieße ich! Ich gebe Unterstützung und Halt, ohne einzuengen.

Ich schaffe einen Raum, in dem der behinderte Mensch ganz er selbst sein kann (Selbstbestimmung) und damit die Möglichkeit hat, sich zu entfalten. Ich achte auf die Signale seines Körpers und lasse diesen entscheiden, was gut für ihn ist. Im Umgang mit dem behinderten Menschen möchte ich ihm Vertrauen in die eigene Kraft (Assistenz) geben.

Beide können wachsen

Eine wichtige Erkenntnis ist für mich: Es darf auch mir als Helferin dabei gutgehen, Arbeit darf sich mühelos anfühlen, ich muss mich nicht aufopfern. Ich gestalte eine Begegnung zwischen zwei Menschen, in der wir beide wachsen können.

Kerstin Rauch, Jahara-Spezialistin

Quelle: Lebenshilfe-Zeitung 1/2009 Veröffentlichung: 06.03.2009, 17:29Uhr